Margrith Pfister-Kübler: Blick in das Gemeindearchiv Ermatingen

entnommen aus dem St. Galler Tagblatt Online vom 6. Feb. 2010


Hans Heeb, Ermatinger Pfarrer im Ruhestand, hat über Jahre hinweg die Archive durchstöbert. Spannende Geschichten kamen dabei zum Vorschein.

Historisches gehört zur Passion von Hans Heeb. Davon konnten sich kürzlich auf Einladung der Stiftung Vinorama-Museum die Besucher im Rathaus Ermatingen überzeugen.

Nach seiner Pensionierung 1993 war dem Pfarrer sein Steckenpferd so wichtig, dass er mit Hilfe von Archivar Werner Mohr eine Strategie für Geschichtliches aus den einzelnen Dorfteilen entwickelte.

Er bot dem damaligen Gemeindeammann Ruedi Urwyler an, das Gemeindearchiv aufzuarbeiten, und rannte damit offene Türen ein.

Früher weniger sensibilisiert

Heeb bedauert, dass während langer Zeit der Wert von Archiven nicht wahrgenommen worden sei; lückenhaft sei deshalb so manches. «Früher war man in bezug auf Archive nicht so sensibilisiert wie heute», sagte Heeb und belegte dies mit Beispielen.

So seien zum Beispiel in einem Papierpack in einem Privathaus, der dem Abfall zugedacht war, die Gerichtsakten von der Kollision des Schiffs Arenaberg (früher mit «a» geschrieben), das am 5. Juni 1911 in Diessenhofen mit einem Pfeiler kollidierte, zutage gekommen.

Dank Lehrer Arnold Bossert und Archivar Werner Mohr ist das Bürgerarchiv Triboltingen, heute betreut von Hans Herzog, eine Quelle des Wissens.

Als das Pfarrhaus Ermatingen umgebaut wurde, «lagen Zainen voller Dokumente, teilweise mit Siegeln einfach herum», erinnert sich Heeb. Heeb weist auf die Schätze im Archiv hin: Zu diesen gehören die Geschichte der Historiker Johann Adam Pupikofer und Ernst Herdi. Oder die von Alfred Ilg, der 1879 im Auftrag einer Schweizer Firma nach Abessinien (Äthiopien) gelangt war und am Hof des äthiopischen Kaisers als äthiopischer Aussenminister im Dienst stand.

Manches kommt bei Nachlässen zum Vorschein; so wurden Bilder von Mathilde Ammann gerettet oder Steigers Lehrerkalender (1873–1959), letzter Eintrag: «Lehrer Bommer will noch mal heiraten.»

Auch hat Heeb alles über Nationalrat Ernst Mühlemann gesammelt, jede Ansprache zu seinem Tod im vergangenen Jahr und weitere Dokumente liegen heute fein säuberlich im Gemeindearchiv. Archiviert ist auch die Maturaarbeit «Napoleon III.» von Räto Knöpfel, Salenstein.

Einsicht nur unter Aufsicht

Das Archiv der Einheitsgemeinde ist aufgearbeitet, der Rest registriert in den Regalen. Beim Rundgang durchs enge Archiv zeigt Heeb stolz seinen Arbeitsplatz beim Kellerfenster zwischen Regalen und Panzerschränken. Früher habe man Leute auf der Suche nach Familiengeschichten oder anderem mit Gottvertrauen ins Archiv gelassen, und da seien manchmal einfach Seiten rausgeschnitten oder Briefmarken mitlaufen gelassen worden. «Heute wird Einsicht nur unter Aufsicht gewährt.»