Zum Abschied von alt Pfarrer und Ehrenbürger Hans Heeb,
Ermatingen, 1927 - 2011

Nachruf von Martin Stuber, Gemeindeammann

Bildquelle: Familie Heeb

Am 23. September 2011 nahm eine grosse Gemeinde in der paritätischen Kirche von Ermatingen Abschied von Hans Heeb, alt Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde Ermatingen, Dorfhistoriker und Ehrenbürger. Pfarrer Andreas Geister würdigte in einer schlichten aber äusserst gehaltvollen Abdankungsfeier die grossen Verdienste dieses Mannes, der 1968 als Pfarrer nach Ermatingen kam und sich seit damals mit grossem Engagement und Herzblut für die verschiedensten Belange des dörflichen Zusammenlebens einsetzte.

Am 27. Januar 1927 erblickte Hans Heeb in Sax im St.Galler Rheintal das Licht der Welt und wuchs in einer fünfköpfigen Familie auf. Nach den Schuljahren mit Maturitätsabschluss studierte Hans Heeb Theologie an verschiedenen Universitäten. Es war seine Berufung, Seelsorger zu werden und das Wort Gottes zu verkünden. Nach zwei Pfarrämtern in Ganterschwil SG und Urnäsch AR wurde er

1968 als evangelischer Pfarrer der Kirchgemeinde Ermatingen eingesetzt, ein Pfarramt, das er bis zu seiner Pensionierung mit Leib und Seele und mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Frau Liselotte ausübte. Von 1994 bis 2007 amtete Hans Heeb zudem als Pfarrer in der Privatklinik Schloss Mammern, wo er ein immer gerne gesehener Seelsorger war. Während seiner Pfarreizeit in Ermatingen war er auch Mitglied der kantonalen Synode, die er von 1974 bis 1978 sogar präsidierte.

Zusammen mit seinem katholischen Pfarrerkollegen Gebhard Hürlimann pflegte er in der Gemeinde die Oekumene, womit er massgeblich zu einem unverkrampften Verhältnis der beiden Konfessionen in unserem Dorf beitrug, was ihm auch die Achtung vieler katholischer Mitbürgerinnen und Mitbürger einbrachte. Hans Heeb war ein umsichtiger Seelsorger, der Mensch und dessen Befinden standen bei ihm immer im Vordergrund. Nebst seinem Pfarramt engagierte sich Hans Heeb, für den Ermatingen zu seiner definitiven, geliebten Heimat wurde, aber auch in anderen Bereichen für das Dorf.

Sowohl in der Primär- und Sekundarschulvorsteherschaft, als auch in der Fürsorgekommission der Gemeinde wirkte Hans Heeb als Mitglied und Vize-Präsident tatkräftig mit. Massgeblich war er an der Gründung der Genossenschaft Spatzenhof und dem damit verbundenen Bau von altersgerechten Wohnungen in der Gemeinde beteiligt. Als Präsident der Genossenschaft, als Präsident des Vorstandes und als viermaliger Präsident der Baukommission trug er eine wesentliche Verantwortung dafür, dass ein heute noch beachtenswertes und gut funktionierendes Werk für die betagten Mitbürgerinnen und Mitbürger in Ermatingen geschaffen wurde.

Eine verborgene Liebe stellte für Hans Heeb die Armee dar. Bis Ende 1992 war er ein engagierter Feldprediger im Thurgauer Territorialkreisstab 43. Seine Erzählungen zu seinen Diensterlebnissen waren für die Zuhörer immer amüsant und spannend. Überhaupt war Hans Heeb ein begnadeter Erzähler. Seine Liebe zur Dorfgeschichte von Ermatingen liess ihn im Gemeindearchiv manchen historischen Schatz an den Tag fördern. Seine fundierten Recherchen präsentierte er der Öffentlichkeit in Form von Vorträgen oder mit Beiträgen in der lokalen Presse oder zuletzt auch in den «Geschäftsmitteilungen». Er verband in seinen letzten Lebensjahren seine Liebe zum Dorf mit seiner Neugier für die Geschichte und arbeitete im Dienste der Gemeinde Ermatingen das gesamte Archiv auf. Sein unermüdlicher Einsatz zu Gunsten «seines» Dorfes führten dazu, dass Hans Heeb, zusammen mit seiner Ehefrau am 1. Dezember 2008 von der Gemeindeversammlung zu Ehrenbürger der, Gemeinde Ermatingen ernannt wurden, etwas worauf er zu Recht bis zu seinem Tod stolz war.

Am 18. September verliess uns Hans Heeb für immer. Ein senkrechter, gottesfürchtiger, liebenswürdiger Mensch ist im Frieden mit sich selbst und allen Menschen, die ihm etwas bedeutet haben, in die Ewigkeit abberufen worden. Hans Heeb hinterlässt in unserem Dorf eine sichtbare Lücke.

Martin Stuber, Gemeindeammann